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Korallen als Klimaarchiv – Ein Forschungsprojekt der Studenten der FU Berlin

Korallen als Klimaarchiv – Ein Forschungsprojekt der Studenten der FU Berlin

„Korallen sind einzigartige Lebewesen“
Es klingt wie Abenteuerurlaub in der Karibik: Zwei Monate forschten Geologiestudentin Vanessa Skiba (24) und Biologiestudent Oliver Voigt (27) vor der Küste Panamas – mit Schnorchel, Kanu, Säge und mithilfe der ERG.

„Korallen sind einzigartige Lebewesen und für Mensch und Natur in vielerlei Hinsicht wertvoll“, sagt Oliver Voigt. „Sie übernehmen vielfältige ökologische Funktionen, etwa als Lebensraum und Brutstätte für Fische oder als Wellenbrecher und Erosionsschutz für die Küste.“ Selbst für die Gewinnung von Medikamenten könnten Korallen in Zukunft nützlich sein.

„Doch das Korallensterben in den Weltmeeren nimmt kontinuierlich zu“, sagt Vanessa Skiba. Seit gut zwei Jahrzehnten beobachtet die Wissenschaft, dass Steinkorallen weltweit großflächig ihre Farbe verlieren – die sogenannte Korallenbleiche. Zurückzuführen ist dies auf die Erwärmung der Ozeane durch den vom Menschen verursachten Klimawandel. Korallen leben in Symbiose mit Zooxanthellen – winzigen, photosynthetisch aktiven Organismen. Sie versorgen die Korallen mit wichtigen Nährstoffen, sind allerdings höchst wärmeempfindlich. Ist es ihnen zu heiß, produzieren sie Giftstoffe und die Korallen stoßen sie ab. Dabei verlieren die Korallen nicht nur ihre Farbe, sondern auch ihre überlebenswichtigen Nährstofflieferanten. Kommen keine neuen Zooxanthellen nach, sterben die Korallen.

Vanessa Skiba und Oliver Voigt interessieren sich besonders für die Korallenart Siderastrea siderea, die in der Almirante-Bucht im Norden Panamas lebt. „Auch dort haben vielfältige Veränderungen in den vergangenen Jahrzehnten zu einer massiven Korallenbleiche geführt“, sagt Vanessa Skiba.

Im November und Dezember vergangenen Jahres konnten die beiden Wissenschaftler mehrere Wochen in einer Forschungsstation in der Bucht wohnen und arbeiten, die von der renommierten Smithsonian Institution betrieben wird. Die Situation in der Karibik sei besonders brisant für Korallen.

 

Der Klimawandel erwärmt das Wasser

„Das Wasser erwärmt sich dort durch den Klimawandel noch stärker als anderswo“, sagt Voigt. „Hinzu kommen Überfischung und massive Touristenzahlen oder extreme Wetterereignisse wie El Niño.“ Ein zusätzliches Problem erwachse aus der schonungslosen Ausbeutung der natürlichen Ressourcen. Durch massive Rodungen im Zuge der Plantagenwirtschaft lagern sich Sedimente auf den Riffen ab. „Es gibt daher kaum noch Bäume, deren Wurzeln den Boden auf dem Land zusammenhalten“, sagt Voigt. „Durch Wind und Regen landet so zunehmend Landmasse im Meer.“ Das Sediment trübt das Wasser. Für die Korallen wird es dunkler – und der Photosynthese-Prozess wird gestört.
Korallenriffe wie in der panamaischen „Almirante Bucht“ sind ein vielfältiger Lebensraum, schützen die Küste vor Erosion und dienen gleichzeitig als Wellenbrecher (siehe Bild oben. Bildquelle:privat)

 

Zu ihren wichtigsten Werkzeugen in Panama gehörten Kanu, Schnorchel und Säge. Bis zu 15 Kilo wogen die gesammelten Proben, die Skiba und Voigt dann in die Forschungsstation transportierten, reinigten und aufsägten. „Das war Knochenarbeit“, sagt Vanessa Skiba. „Wir hatten lediglich eine Handsäge zu Verfügung und viele Tage bestanden nur aus sägen, sägen, sägen.“

In der Forschungsstation seien sie sehr freundlich empfangen und fachlich an die Hand genommen worden, berichtet Oliver Voigt. „Wir haben jeden Tag genossen und extrem viel gelernt“, sagt Vanessa Skiba. Zurück in Deutschland machten sich Skiba und Voigt an eine gründliche Untersuchung der Korallen.

Der angehende Biologe Oliver Voigt widmete sich in seiner Bachelorarbeit der Frage, wie die Siderastrea siderea in der Almirante- Bucht wächst und sich gegenüber aktuellen klimatischen Veränderungen verhält. Dabei hatte er einigermaßen erfreuliche Ergebnisse zu berichten: Die Korallenart scheint nach ersten Erkenntnissen widerstandsfähiger zu sein als andere lokale Arten.

Forschung als Knochenarbeit: Mit der Handsäge mussten Vanessa Skiba und Oliver Voigt die bis zu 15 Kilo schweren Korallenstücke zerkleinern.
Bildquelle: privat
White Monday als Gegenbewegung zum Black Friday

White Monday als Gegenbewegung zum Black Friday

Upcycling anstelle von Konsumwahn 

Die White Monday Bewegung, die ursprünglich in Schweden entstanden ist, ist sozusagen die Gegenbewegung zum Black Friday. Letztes Jahr wurden ca. 2,4 Mrd. Umsatz am Black Friday gemacht, was 15 % mehr zum Vorjahr ausgemacht hat. Der White Monday möchte den klassischen und verschwenderischen Konsum hinterfragen und neue Konsummöglichkeiten aufzeigen. Der White Monday findet immer vor dem Black Friday statt. Diese verschwenderische Tradition des Black Friday ist alles andere als nachhaltig. Vieles was wir kaufen, wird aufwendig produziert, über lange Transportwege zu uns geschifft, für wenig Geld verkauft, und landet doch nur nach kurzer Zeit im Müll. Jedes Jahr findet am vorletzten Freitag im November eine Preisschlacht des Off- und Onlinehandels statt. Eigentlich kommt der Black Friday aus den USA unter dem Motto „Kaufen bis zum Umfallen“ oder im englischen „Shop until you drop“. Seit ein paar Jahren wird er aber auch in Deutschland zelebriert. Der Einzelhandel lockt an diesem Tag mit starken Rabattaktionen und Sonderangeboten und dabei gibt es vielerlei Gründe daran nicht teilzunehmen, mitunter auch, dass vermeintliche Sonderangebote gar keine Schnäppchen sind, sondern eine ausgeklügelte Marketingstrategie.

2017 startete die Bewegung in Schweden und schon letztes Jahr haben mehr als 160 Unternehmer und Influencer daran teilgenommen. Unter dem Hashtag #whitemonday finden sich schon mehrere Millionen Beiträge.

 

Was passiert am White Monday?

Unternehmen verpflichten sich keine Marketing- oder Rabatt-Aktionen anzubieten. Sowohl sie, als auch Organisationen oder Influencer posten unter dem Hashtag, um auf bewussten Konsum zu setzen wie z. B. Closed Loop Produkte. Diese Produkte aus der Kreislaufwirtschaft sind der verantwortungsvollste Weg ohne neue Ressourcenverschwendung.

Ganz im Sinne der Kreislaufwirtschaft, schlägt der Initiator der Kampagne, Henning Gillberg, vor, dass Unternehmen ihre Produkte dahingehend anpassen sollten, um diese Massen an Müll zu reduzieren. Gillberg selbst hat 2017 ein Start-up gegründet, das Kleidung repariert, re- und upcycelt. Den White Monday veranstaltete er zum ersten Mal am Montag vor Black Friday 2017.

Der White Montag hat diesen Montag nicht nur in Deutschland stattgefunden, sondern wieder in Schweden, Finnland, Norwegen und Bulgarien.

Ein ganz spezieller Nachtclub

Ein ganz spezieller Nachtclub

Dieser Nachtclub für Ältere bekämpft Einsamkeit mit Tee-Party-Disco

 

 

Abgesehen von der Absicht, eine gesündere, fröhlichere Gemeinschaft unter älteren Menschen zu bilden, bedeutet der Posh Club für Simon Casson auch die Möglichkeit, Alt und Jung zu mischen, verschiedene Generationen zur Interaktion anzuregen.
“Ich denke, wir haben den Bezug zwischen den Generationen verloren, denn das ist nicht das, was der Kaptialismus inspiriert”, sagte er in einem Interview mit The Guardian. Das ist auch der Grund, warum die freiwilligen Helfer dieses Clubs aus Menschen verschiedener Altersgruppen und Herkünfte bestehen.

Perspektiven für den Posh Club sind gut, auch wenn der freiwillige Helfer Dickie zugibt, dass jedes erfolgreiche Event nur durch Spenden ermöglicht wird und es deshalb nicht möglich ist, häufiger Veranstaltungen anzubieten.  Er verrät uns auch, dass bereits viele Teilnehmer aus anderen Städten zu ihren Disco-Events kommen und sich wünschten, sie hätten ein ähnliches Angebot in ihrer eigenen Nachbarschaft.

Diesem Wunsch nachzukommen ist jedoch nicht so einfach. Die Qualität, die Atmosphäre muss stimmen, alles muss mit Liebe organisiert und bewerkstelligt werden – denn sonst wär’s eben nicht der Posh Club. (Interview von Vice)

Einsamkeit und Isolation sind häufige Begleiter in der älter werdenden Gruppe von Menschen. Krankheit oder körperliche Einschränkungen zwingen Viele, zuhause zu bleiben. Das erwartet man zmindest. Weil für eine große Anzahl niemand mehr sorgen kann, entschließen sich viele für ein Altersheim.

Diese ehrenamtliche Initiative zielt daher darauf ab, eine Gemeinschaft zu bilden und so gegen Einsamkeit und Isolation zu wirken. Nicht nur entsteht so ein Zusammengehörigkeitsgefühl, es bricht außerdem mit dem Vorurteil, dass ältere Menschen keinen Spaß mehr haben wollen.

Wie die 71-jährige Margaret im Interview mit The Guardian sagt, “Ich nenne uns die recycelten Teenager. Wir sind zwar pensioniert, aber unser Verfallsdatum ist noch lang nicht abgelaufen.”
Und vielleicht ist es endlich Zeit, ihnen das auch zuzugestehen. Wer hat behauptet, dass alte Menschen jemals aufgehört haben, Party zu machen?

 

 

 

sieh dir das Video an, um zu sehen, was im Posh Club los ist!
Mehr Insektenvielfalt auf den Firmengeländen

Mehr Insektenvielfalt auf den Firmengeländen

Unternehmen der Region Hannover sind dazu aufgerufen, ihre Firmengelände naturnah zu gestalten und damit Lebensräume für Insekten zu schaffen.

Das Bundesumweltministerium fördert die insektenfreundliche Gestaltung von Firmengeländern. Ziel des Projekts “Außenstelle Natur” ist es, in einem ersten Schritt mindestens 42 kleine und mittlere Unternehmen zur insektenfreundlichen Gestaltung von Firmengeländen zu beraten und entsprechende Maßnahmen umzusetzen. Die Erkenntnisse daraus sollen Modellcharakter für andere Unternehmen haben. Das Projekt im Bundesprogramm Biologische Vielfalt wird bis September 2024 vom Bundesumweltministerium mit 860.000 Euro gefördert und vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) inhaltlich begleitet.

Bundesumweltministerin Svenja Schulze: “Mit dem Aktionsprogramm Insektenschutz wollen wir das Insektensterben stoppen. Dafür kommt es unter anderem auf mehr Lebensräume für Insekten an. Das Projekt ‘Außenstelle Natur’ trägt ganz konkret dazu bei, mehr Insektenlebensräume auch in den Städten wiederherzustellen und ihre Qualität zu verbessern. Denn Betriebsgelände machen einen nennenswerten Teil der urbanen Fläche aus – zumeist aber in Form von sterilen, versiegelten Flächen. Im Rahmen des Projekts rufen wir Firmen dazu auf, aktiv Nist- und Lebensräume für Insekten zu schaffen, auf Biozide und Düngemittel zu verzichten und eine insektenfreundliche Beleuchtung zu installieren. So helfen wir den Insekten – und lassen es auf Firmengeländen summen und krabbeln.”

BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel: “Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Unternehmen sind eine wichtige Zielgruppe, deren Bewusstsein für die biologische Vielfalt mit diesem Projekt gestärkt werden soll. Um das Wissen und die Sensibilität für das Thema naturnahe Gestaltung zu erhöhen, werden durch die ‘Außenstelle Natur’ aber auch für die Kommunen, für potenzielle Beratungsstellen und Gartenbaubetriebe bundesweite Schulungen angeboten. Ein gemeinsam mit der Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau e. V. erarbeitetes Regelwerk soll insbesondere Gartenbaubetrieben bei der naturnahen Gestaltung Hilfestellung geben.”

“Außenstelle Natur” wird vom Umweltzentrum Hannover e. V. durchgeführt. Die Unternehmen erhalten einen Zuschuss zum Erwerb geeigneten Saatguts sowie eine Erstberatung durch einen Naturgarten-Betrieb für die Neu- oder Umgestaltung ihrer Außenflächen. Weiterhin werden eine Beratung zur insektenfreundlichen Beleuchtung sowie ein Leuchtmittelzuschuss angeboten. Die Unternehmen finanzieren die Umsetzung und sensibilisieren ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Themen Biodiversität und Insektenschutz. Dafür sind Informationsveranstaltungen, Workshops und firmeninterne Aktionen geplant. Die Erkenntnisse sollen anschließend bundesweit auf andere Firmen, Städte und Gemeinden übertragen werden.

An einer Teilnahme interessierte Unternehmen können sich an Noreen Hiery vom Umweltzentrum Hannover wenden.

 

Mehr Infos zum Thema gibt’s hier…

 
Nadine Schubert über ihren Blog und ihr Buch “Besser leben ohne Plastik”

Nadine Schubert über ihren Blog und ihr Buch “Besser leben ohne Plastik”

In diesen Tagen ist die 15. Auflage meines ersten Buches „Besser leben ohne Plastik“ bei mir eingetrudelt. Das erfüllt mich mit stolz und macht zufrieden. Denn es bedeutet schließlich auch, dass ich viele Menschen mit meinen Büchern erreiche und somit ein Umdenken in der Gesellschaft stattfindet. Angefangen hat alles mit einem Umdenken in meinem Kopf. Und das war gar nicht geplant.

Ich war schon immer ein Mensch, der zu seinen Entscheidungen steht. Der durchzieht, was er sich vorgenommen hat und der dabei diszipliniert ist. Selten wurden meine Entscheidungen angezweifelt. Nie wurde an mir gezweifelt oder daran, dass ich das schaffe, was ich da vorhabe. Und vielleicht wurde die Anti-Plastik-Bewegung deshalb so groß, weil ich zu dem stehe, was ich verbreite.

Im Frühjahr 2013 war ich schwanger mit unserem zweiten Kind. Inzwischen bin ich Mutter einer 6-jährigen Tochter und eines 15-jährigen Sohnes. Schon im Mutterschutz sah ich eine Reportage über Plastikmüll im Fernsehen. Verschmutze Meere, verdreckte Umwelt, sterbende Tiere und Weichmacher im Körper aus Lebensmittelverpackungen.

Schockierende Bilder

Die Bilder haben mich berührt und schockiert. Ich wollte nicht dafür verantwortlich sein, dass die Welt in Plastik ertrinkt. Ich wollte nicht daran schuld sein, dass Vögel, Fische, Delphine und Wale elendig an gefressenem Plastik verrecken müssen. Und ich wollte mir nicht vorwerfen müssen, meine Kinder mit in Plastik verpackten Lebensmitteln krank zu machen.

Noch am selben Tag fiel die Entscheidung: Familie Schubert lebt ab sofort plastikfrei. Ich habe meinem Mann davon erzählt. Er fragte mich, ob er da auch etwas tun müsse. „Ja! Du wirst nur noch Getränke in Glasflaschen kaufen“, war meine Antwort. Gesagt, getan. Am nächsten Tag begann das Leben ohne Plastik.

Aller Anfang war nicht schwer

Ganz ehrlich: Ich wusste sofort, was ich anders machen konnte. Schließlich gab es auch 2013 schon Joghurt und Milch in Pfandgläsern. Es gab Säfte in Glasflaschen und Ketchup musste man auch nicht in der Plastiktube kaufen. Es waren die kleinen Dinge beim Lebensmitteleinkauf, die ich geändert habe.

Ich bin auch sofort mit meinen Dosen an die Wurst- und Käsetheke. Von Anfang an hat mich niemand abgewiesen. Ich bekam meine Waren immer und überall in meine mitgebrachten Gefäße.

Und in der Obst- und Gemüseabteilung kaufte ich strikt nur noch, was ich unverpackt bekam.

Einige Dinge waren nicht so leicht. Ich musste meinen damals 8 Jahre alten Sohn davon überzeugen, nicht mehr so viele Cornflakes zu essen. Ohne Plastikverpackung gab es die nicht, also reduzierten wir. Damit war er einverstanden.

Nudeln gab es nur noch von Barilla (am Anfang fiel mir nichts besseres ein), Chips und Gummibärchen kaufte ich gar nicht mehr.

 

Lesen Sie weiter auf Nadine’s Blog und erfahren alle Einzelheiten…..

Gut für Geldbeutel und Umwelt – Recycling im großen Stil

Gut für Geldbeutel und Umwelt – Recycling im großen Stil

Von Stefanie Otto

Fotoquelle: Stefanie Otto

Rund 17.000 Geräte – unter anderem defekte Waschmaschinen und Elektroherde – werden allein bei Envie in Straßburg jedes Jahr vor der Verschrottung „gerettet“. (Stefanie Otto)

600.000 Tonnen Altgeräte werden pro Jahr in Frankreich eingesammelt. Etwa ein Drittel davon recycelt die Straßburger Firma Envie – mithilfe von Menschen, die sonst schwer einen Job finden. Die reparierten Geräte helfen Geringverdienern und der Umwelt.

Mit geübten Handgriffen hievt Arsen Mkatschian eine Waschmaschine von einer Sackkarre herunter und vor eine halbhohe Betonwand, aus der mehrere Anschlüsse ragen. Routiniert schließt der Mittvierziger mit Halbglatze Strom und Wasser an, stellt ein Waschprogramm ein und beobachtet die Vorgänge in der Maschine, die jetzt beginnt Wasser ins Innere zu pumpen.

„Ich suche den Fehler und behebe ihn“

In seinem Blaumann sieht er aus wie ein normaler Handwerker. Darüber trägt er eine leuchtend gelbe Weste mit der Aufschrift „Envie“ – was im Französischen so viel bedeutet wie „am Leben“ oder „Lust“.

„Ich repariere Waschmaschinen, und zwar diese hier, die Toploader. Ich hole sie aus dem Depot, suche den Fehler und behebe ihn. Oft ist das Lager kaputt. Das hab ich hier gewechselt. Manchmal ist es aber auch die Elektronik. Dann tauschen wir die komplett aus. Und wenn die Maschine wieder läuft, mache ich noch eine Grundreinigung.“

Auch Elektronik wie Computer, Fernseher und Handys werden bei Envie repariert oder recycelt. In den Bauteilen stecken wertvolle Rohstoffe wie Edelmetalle und Seltene Erden. (Stefanie Otto)

Wir – das sind er und seine sechs Kollegen, die bei Envie für die Reparatur von defekten Waschmaschinen und Geschirrspülern zuständig sind. In den Räumen nebenan vollzieht sich das Gleiche mit Kühlschränken, Elektroherden, Mikrowellen und kleineren Haushaltsgeräten. Auch Fernseher, Computer und Mobiltelefone werden hier wieder zum Laufen gebracht.

Die Chance auf einen persönlichen Neuanfang

Während bei Arsen die Waschmaschine vor sich hin rumpelt, reinigt er bereits eine andere. Dazu hantiert er abwechselnd mit Druckluft, Chemikalien und Putzlappen. Insgesamt vier Maschinen behandelt er gerade. Dabei unterhält er sich mit seinem Kollegen nebenan, der sich um die „Patienten“ mit Bullauge kümmert.

Etwa zwei Drittel der Envie-Belegschaft absolviert ein Wiedereingliederungsprogramm für Langzeitarbeitslose. (Stefanie Otto)

Arsen Mkatschian ist von Haus aus Geschichtslehrer. Zumindest war er das, bis er aus seinem Heimatland Armenien nach Frankreich kam. In der Werkstatt von Envie hat er nach langer Zeit wieder eine reguläre Arbeit gefunden, zumindest für zwei Jahre. Für ihn und viele andere hier ist die Arbeit mit den Altgeräten die Chance für einen persönlichen Neuanfang.

„Alles begann in den achtziger Jahren. Nach der Ölkrise waren viele Franzosen arbeitslos. Damals fingen die Menschen an, das französische sowie das europäische Wirtschaftssystem infrage zu stellen und nach einem sozialeren Weg der Beschäftigung zu suchen.“

Amaury Grenot ist Geschäftsführer bei „Envie Strasbourg“. Sein Büro liegt im ersten Stock der Werkshalle. Es ist schlicht eingerichtet: zwischen den Schreibtisch und einige Regale voller Aktenordner passt gerade noch ein Tisch für Besprechungen. Während alle paar Minuten eines seiner drei Telefone klingelt, erzählt der 39-Jährige von den Anfängen des Unternehmens.

Die Filiale im Stadtteil Koenigshoffen: das Recycling-Netzwerk begann einmal mit einer kleinen Werkstatt in Straßburg, heute betreibt Envie über 50 Filialen in ganz Frankreich. (Stefanie Otto)

Die Idee zu Envie entstand innerhalb der Emmausbewegung. Diese französische Initiative zur Armutsbekämpfung ist besonders durch ihre Sozialkaufhäuser bekannt geworden. Das Besondere daran: Arbeits- und Obdachlose sammeln und reparieren Sachspenden, die ihnen selbst zu Gute kommen. Durch die Einbeziehung erhalten sie eine sinnvolle Beschäftigung und so eine Möglichkeit zur Wiedereingliederung.

„Ganz konkret hat damals eine Gruppe von Straßburgern erkannt, dass es einen großen Bedarf an erschwinglichen Haushaltsgeräten gibt. Und so fingen sie an, Jobs für Arbeitslose zu schaffen, indem sie defekte Elektrogeräte reparierten. Es war also im Grunde eine soziale Aktion der Nächstenliebe. Doch das, was sie erschufen, war ihrer Zeit voraus. Denn es waren die Anfänge von Kreislaufwirtschaft und Umweltschutz.“

Unterstützung durch die Europäische Union

Mit einer kleinen Werkstatt und zehn Mitarbeitern fingen sie an. Heute arbeiten allein in Straßburg 180 Mitarbeiter. Das gemeinnützige Unternehmen hat mittlerweile 50 Ableger in ganz Frankreich. Da zur Reparatur oft Ersatzteile gebraucht werden, begann Envie in den neunziger Jahren damit, die Altgeräte systematisch einzusammeln. Was nicht mehr repariert werden konnte, zerlegten sie in seine Bestandteile und verkauften beispielsweise die Metalle. Im Jahr 2004 beflügelte eine Direktive der Europäischen Union diese Aktivitäten. Erstmals verpflichtete sie die Hersteller von Elektrogeräten dazu, sich auch um die Altgeräte zu kümmern, die bis dahin einfach auf der Deponie landeten. Außerdem gab das Gesetz vor, wie der Elektroschrott behandelt werden muss.

„Die Direktive der EU hat genau das gefordert, was wir schon von Anfang an tun. Die zuständigen Behörden in Frankreich sind dann auf uns zugekommen, um unsere Erfahrungen und unser Know-How zu nutzen. Doch obwohl die Wiederaufbereitung von Geräten empfohlen wird, sind wir bis heute einer von wenigen Akteuren, die Altgeräte auch wieder nutzbar machen.“

 

Mehrere Lkw-Ladungen voller Altgeräte werden täglich allein in der Straßburger Filiale sortiert. Sie kommen von Sammelstellen, Wertstoffhöfen und Herstellern oder direkt von Kunden. (Stefanie Otto)

Am anderen Ende der Werkshalle wird der Elektroschrott angeliefert. Mehrere Lkw-Ladungen täglich sind es hier am Standort Straßburg. Das Gelände liegt seit 30 Jahren in einem Wohngebiet des Stadtteils Koenigshoffen am westlichen Rand der Stadt. Ein Dutzend Männer ist gerade damit beschäftigt Kühlschränke auszuladen. Mit Sackkarren bringen sie die teils mannshohen Türme auf eine im Boden eingelassene Waage. Nach der Registrierung werden die Geräte nach ihrem Zustand sortiert. Dann wandern sie entweder in die Werkstatt zur Wiederaufbereitung, ins Lager für Ersatzteile oder endgültig auf den Schrott.

„Das Beste für die Umwelt ist, gar nicht zu konsumieren“

Die Philosophie, die Envie dabei verfolgt, macht Geschäftsführer Grenot an einem einfachen Beispiel klar.

„Im Sinne der Kreislaufwirtschaft ist es das Beste für die Umwelt, gar nicht zu konsumieren. Wenn ich in mein Büro keine Tür einbaue, verbrauche ich keine Tür und produziere also auch keine Abfälle, wenn die Tür irgendwann einmal abgenutzt oder defekt ist. Falls ich die alte Tür dann jedoch repariere oder aufarbeite, kann sie wieder als Tür genutzt werden. Wenn ich die Tür auf zwei Böcke stelle und einen Tisch daraus mache, ist das eine andere Art der Wiederverwendung. Wenn ich sie zerkleinere und Holzspäne daraus mache, dann ist das Recycling. Um Ressourcen zu schonen, ziehen wir bei Envie all diese Möglichkeiten in Betracht. Das Recycling ist nur der letzte Ausweg.“ 

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